Gemeinde Altbach

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Neues aus dem Rathaus

Aus der Arbeit des Gemeinderats - Der Gemeinderat beriet und beschloss am 26.10.2021

Forstwirtschaftsjahr 2022
Beschluss des Betriebsplanes nach § 51 Abs. 2 LWaldG
Vorstellung des neuen Revierförsters Daniel Fritz
Die Gemeinde hat das Landratsamt Esslingen mit der Bewirtschaftung des Gemeindewalds beauftragt (Forstbewirtschaftungsvertrag). Der neue Revierförster Daniel Fritz erläuterte den Betriebsplan für das Jahr 2022 und informierte den Gemeinderat, dass ein kleiner Teil des Hiebs nochmals in der Deizisauer Nothalde (Abteilung 6) stattfindet. Der Rest des Hiebs ist für die Zipfelklinge (Abteilung 4) geplant.
Das bisher sehr feuchte Jahr 2021 hat dem Wald sichtbar gutgetan. So sind in Altbach keine nennenswerten neuen Borkenkäferschäden aufgetreten. Von dem feuchten Frühjahr/Sommer hat auch die neu angelegte Kultur (Abteilung 1. Kahlschlag / 1.500 Pflanzen) profitiert. Die jungen Pflanzen sind gut angewachsen. Sorge bereitet jedoch weiter der Zustand der Eschen (Eschentriebsterben) und der geschädigten Buchen, die sich von den vorangegangen Trockenjahre noch nicht erholt haben.
Außerdem erläuterte Herr Fritz, dass die Transnet BW, für die Bewirtschaftung unter den Hochspannungsleitungen rechts und links des Aichschießer Wegs, die Einführung eines ökologischen Trassenmanagements plant. Das Mulchen der Flächen bis hin zum optischen „Kahlschlag" soll damit der Vergangenheit angehören. Im September fand eine Begehung mit Vertretern der Transnet BW, der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg und dem BUND statt. Die Fläche vom Parkplatz an der L1150 hangabwärts wurde hier als „Musterfläche" ausgesucht. Verschiedene Möglichkeiten wurden vor Ort erörtert. Insgesamt soll die Bewirtschaftung unter den Hochspannungsleitungen für Flora und Fauna verträglicher und weniger einschneidend werden.
 
Der Gemeinderat nahm den Betriebsplan 2022 zustimmend Kenntnis.

Zweckverband Breitbandversorgung Landkreis Esslingen
Sachstandsbericht
Die Gemeinde Altbach ist Gründungsmitglied im Zweckverband Breitbandversorgung im Landkreis Esslingen, welcher den Breitbandausbau im Landkreis koordiniert und bei allen Fragen rund um den Ausbau Unterstützung anbietet. Ziel soll sein, dass bis 2025 alle Industrie- und Dienstleistungsunternehmen und Gewerbe Zugang zu einem glasfaserbasierten Breitbandanschluss haben. Außerdem sollen bis 2025 50 % und bis 2030 90 % der Privathaushalte Zugang zu einem glasfaserbasierten Internetzugang haben. Hierfür werden in der Region leistungsfähige Glasfaser-Infrastrukturen benötigt.
Für Altbach wurden Fördermittel für Gewerbegebiete und weiße Flecken beantragt. Die Gesamt-Investitionskosten müssen immer von der Kommune vorgestreckt werden, bis zu 90 % werden nach Abschluss der Maßnahme dann von Bund und Land zurückerstattet. Die verbleibenden 10 % müssen in jedem Fall von der Kommune übernommen werden.
Für das Gewerbegebiet liegen bereits Zuwendungsbescheide von Bund und Land vor. Hier kann mit der Ausschreibung begonnen werden.
Für sogenannte weiße Flecken (unter 30Mbits) liegt bereits ein Zuwendungsbescheid vom Bund vor. Für sogenannte graue Flecken (unter 100 Mbits) können Anträge nach dem Markterkundungsverfahren gestellt werden.
 
Der Gemeinderat nahm den Sachstandsbericht zustimmend Kenntnis.
 
 
Förderprogramm Ladeinfrastruktur vor Ort
Durch die stetig steigenden Zulassungszahlen von Elektrofahrzeugen wird die Ladeinfrastruktur vor Ort immer wichtiger. Für Kommunen empfiehlt sich AC-Ladestationen zu installieren, da während des Parkvorgangs die Reichweite erhöht werden kann.
Durch das relativ neue Bundesförderprogramm „Ladeinfrastruktur vor Ort“ mit einem Volumen von 300 Millionen Euro werden bis zu 80 % der Kosten für den Netzanschluss (max. 10.000 €) und bis zu 80 % der Kosten pro Ladepunkt (max. 4.000 €) gefördert.
Durch eine Novelle der Ladesäulenverordnung müssen die Ladepunkte bis 2023 eine EC-Zahlungsmöglichkeit aufweisen. Neue Ladesäulenmodelle werden deshalb derzeit entwickelt, eine Umsetzung mit den bestehenden Modellen ist nicht mehr zielführend.
Der Förderantrag muss dennoch bis zum 31.12.2021 gestellt werden, für die Umsetzung der Maßnahme ist nach Erhalt des Förderbescheids bis zum 31.12.2022 Zeit.

Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Verwaltung zu beauftragen den Förderantrag für zwei Ladesäulen zu stellen.
 
 
Änderung des Abflugverfahrens am Flughafen Stuttgart
Derzeit wird über eine Änderung des Abflugverfahrens am Stuttgarter Flughafen diskutiert. Im kommenden Jahr soll eine neue Abflugroute bei Starts nach Osten mit Destinationen in Richtung Süden bzw. Südwesten probeweise eingeführt werden. Durch das neue Verfahren ist im gesamten Umfeld des Flughafens mit einer Lärmentlastung von rund 90.000 Bürgerinnen und Bürgern zu rechnen. Insbesondere im Bereich des Gemeindeverwaltungs-verbandes sind bei einzelnen Abflügen Lärmreduzierungen von ca. -22 bis -25 dB(A) zu erwarten.
Die Fluglärmkommission hatte empfohlen eine neue Strecke Richtung Süden zu planen, um die besonders vom Fluglärm betroffenen Gebiete im Neckartal zu entlasten.
Neue Flugverfahren werden durch die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) geplant und vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) durch Rechtsverordnung festgelegt. Sollte in dem neuen Flugverfahren von den Vorschriften der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) abgewichen werden, muss der Antrag zur abschließenden Entscheidung an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) weitergeleitet werden. Vor der Antragstellung ist die Fluglärmkommission zu den beabsichtigten Maßnahmen anzuhören. Die DFS ist dabei nicht an die Empfehlung der Fluglärmkommission gebunden. Auf Vorschlag der Eurowings GmbH und der Deutschen Lufthansa AG hat die DFS eine neue, RNP-basierte Abflugroute (Required Navigation Performance) sowie insgesamt vier Varianten dieser Route vom Flughafen Stuttgart aus von der Piste 07 in Richtung Süden geplant und in der Fluglärmkommission vorgestellt. Die neue Abflugroute gilt für Starts in Richtung Osten und endet am Wegpunkt TEDGO südlich des Flughafens. Während die bisherige Route nah an dicht besiedelten Gebieten liegt, die teilweise sowohl durch An- als auch durch Abflüge belastet werden, könnte die Routenführung dahingehend geändert werden, dass die Luftfahrzeuge früher in Richtung Süden abdrehen und dadurch gezielt Räume mit hoher Bevölkerungsdichte umflogen werden.
Es wird aktuell davon ausgegangen, dass ca. 30 % der Flüge, die die Abflugroute zum Wegpunkt TEDGO nutzen, aufgrund ihrer Startmasse in der Lage sein werden, dieses Verfahren mit steilerem Steigflug zu fliegen. Eine Auswertung der Flugdaten des Flughafens Stuttgart (Vorkrisenniveau) zeigt, dass bei Betriebsrichtung 07 (Startrichtung nach Osten) durchschnittlich drei Abflüge pro Stunde via TEDGO geführt werden. Bezogen auf die gesamte reguläre Betriebszeit des Flughafens Stuttgart entspricht dies ca. einem Flug pro Stunde auf der neuen Routenvariante zum Wegpunkt TEDGO. Eine vergleichende Lärmberechnung der maximalen Schallpegel durch die Deutschen Lufthansa AG anhand eines Beispielflugs mit einem Airbus A320-214 auf der bisherigen Flugroute und den geplanten Varianten zeigt, dass die maximalen Schallpegel mit der neuen Routenführung an einigen Orten (u. a. Altbach, Plochingen Deizisau, Nellingen) teilweise deutlich zurückgehen würden. In Denkendorf, Köngen und Nürtingen gäbe es einige Bereiche, die neu belastet würden, allerdings weitere Teile, die ebenfalls von der neuen Abflugvariante profitieren würden. Für Gebiete in Neuhausen a. d. F. und Wolfschlugen zeichnen sich Mehrbelastungen ab. Die Auswertung zeigt, dass die stärkste Lärmbelastung innerhalb des unbebauten Waldgebiets Sauhag liegen würde. Eine zusätzliche Lärmentlastung könnte durch eine deutliche Verringerung der Streubreite der Flugspuren erreicht werden, die das RNP-Verfahren ermöglicht.
Die maximale Mehrbelastung bei Einzelschallereignissen anhand der berechneten maximalen Schallpegel für die neuen Varianten findet sich in Nürtingen-Oberensingen mit einer Erhöhung von 65 dB(A) auf 72 dB (A); die höchstbelasteten Gebiete in Ostfildern-Nellingen würden mit einer Verringerung von 81 dB(A) auf 65 dB(A) entlastet.
Die Berechnung der Lufthansa AG als auch eine NIROS-Auswertung der DFS prognostizieren einen Rückgang der Gesamtbelastung, wenn man das betroffene Gebiet komplett betrachtet. Die Fluglärmbelastungen der Filderregion wäre somit insgesamt etwas ausgeglichener und nicht so stark auf bestimmte Gebiete konzentriert, wie bisher.
Die Lärmbetrachtungen wurden in Form einer NIROS-Berechnung angestellt. NIROS (Noise Impact Reduction and Optimization System) simuliert den Abflug von Flugzeugen, die unter Verwendung eines Flight Management Systems (FMS) eine Standard-Abflugroute befliegen. Aus den Geschwindigkeiten in den einzelnen Flugphasen wird errechnet, wie lange das Flugzeug benötigt, um z. B. einen bestimmten Ort auf der Geländeoberfläche zu überfliegen. Daraus wiederum errechnet sich die Dauer der Beschallung an diesem Ort. Dabei werden keine individualisierten Berechnungen angestellt, wer (geografisch) vorher belastet und nachher entlastet ist, sondern im Rahmen einer Gesamtbetrachtung wie viele Betroffene es in einzelnen Schallpegelklassen vorher und nachher gibt.
Das Ergebnis oben genannter Berechnung stellt sich auf Basis des Verkehrs aus dem Jahre 2015 folgendermaßen dar:

Schallpegelklasse       aktuelle Routenführung                     Variante
40-45                          120,8                                                  60
45-50                          64,6                                                    47,4
50-55                          33,2                                                    21,5
55-60                          4,4                                                      3,6
60-65                          0,2                                                      0,1
|>64                           0,0                                                      0,0       
Dargestellt ist die Zahl der Betroffenen in tausend Einwohner in den Pegelklassen

 
Neben der Reduzierung des Fluglärms würde die Nutzung der neuen Abflugroute zu einer Reduzierung der CO2 Emissionen führen.
Von Seiten der Deutschen Lufthansa AG wurde hierzu mitgeteilt:
„Bei einer beispielhaften Modellrechnung für zwei Abflüge, die unter sonst gleichen Bedingungen, unterschiedlichen Routen folgen, ergibt sich die Differenz von ca. 200kg CO2 Emissionen. Dieser Wert wird später unter Realbedingungen validiert werden, da er unter Wind- und Wetterbedingungen sowie mit den individuellen Abläufen der Piloten variiert. Er ist zurückzuführen auf die Verkürzung der Abflugroute um 6,5 Nautische Meilen oder 12 km. Eine Abkürzung dieser Größenordnung entspricht etwa 10 % der im deutschen Luftraum verbleibenden Flugstrecke und ist für eine Einzelmaßnahme zur Effizienzsteigerung nach den Kriterien der Initiative Single European Sky der EU-Kommission eine bedeutende Einsparung. Bei über 4.700 jährlichen Abflügen besteht auf dieser Route demnach ein Potenzial zur klimawirksamen Reduktion von 1.000 Tonnen CO2. Das entspricht zum Vergleich in etwa der Einsparhöhe, die bei dem Austausch von etwa acht dieselbetriebenen Stadtbussen auf CO2 freie Antriebsvarianten entsteht."
Insgesamt lässt sich feststellen, dass das neue Abflugverfahren sowohl im Bereich der Lärmreduktion als auch bei der Reduzierung von CO2 Emissionen positive Effekte hat. Inwiefern sich diese positiven Effekte realisieren lassen, kann nur durch den tatsächlichen Betrieb aufgezeigt werden. Insofern sollte zumindest ein Probebetrieb über ein Jahr schnellstmöglich umgesetzt werden. Die Fluglärmkommission sollte hierzu eine positive Entscheidung treffen.
 
Der Gemeinderat nahm einstimmig vom Sachverhalt Kenntnis und unterstützt die Einführung des neuen Abflugverfahrens.